Offener Biss – Definition, Ursachen, Folgen und Behandlung

Ein offener Biss (fachsprachlich Apertognathie) entsteht häufig durch Lutsch- oder Mundatmungs-Gewohnheiten und sollte frühzeitig behandelt werden. In unserer Praxis in Erstfeld berät Sie Dr. Philipp Meyer, Fachzahnarzt für Kieferorthopädie und Autor zur „Apertognathie” im DocCheck Flexikon, zu Ursachen-Therapie und Korrekturoptionen.

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Was ist ein Offener Biss?

Beim offenen Biss (Apertognathie) berühren sich beim Zusammenbeissen Ober- und Unterkieferzähne in einem Bereich nicht – es bleibt ein vertikaler Spalt. Am häufigsten ist der frontoffene Biss, bei dem die Frontzähne nicht aufeinander treffen. Häufige Ursachen sind Daumen- oder Schnullerlutschen über das 4. Lebensjahr hinaus, persistierende Mundatmung und falsche Zungenposition (Zungenpressen). Die Frühbehandlung im Kindesalter mit Funktionsapparaturen ist oft sehr erfolgreich – Voraussetzung ist das Beenden der ursächlichen Gewohnheit.

Synonyme und verwandte Begriffe: Frontoffener Biss, Apertognathie, Offene Bisslage, Lateral offener Biss.

Wie entsteht ein Offener Biss?

Die Ursachen sind meist multifaktoriell – genetische Faktoren spielen eine zentrale Rolle, oft kombiniert mit erworbenen Faktoren wie Lutschgewohnheiten, Mundatmung oder dem Verlauf des Zahnwechsels.

  • Daumen- oder Schnullerlutschen über das 4. Lebensjahr hinaus
  • Mundatmung (z. B. durch vergrösserte Rachenmandeln)
  • Falsche Zungenposition (Zungenpressen, viszerales Schluckmuster)
  • Skelettale Ursachen (vertikales Wachstumsmuster)

Welche Folgen hat ein unbehandelter Offener Biss?

Ob und wann eine Behandlung notwendig ist, entscheidet die fachärztliche Beurteilung im Einzelfall. Mögliche Folgen einer unbehandelten Fehlstellung können sein:

  • Schwieriges Abbeissen (besonders harter Speisen)
  • Sprachprobleme (Zischlaute)
  • Verstärkte Belastung der Seitenzähne
  • Bei skelettaler Ausprägung: zunehmende Verschlechterung mit dem Wachstum

Typische Symptome und Anzeichen

  • Sichtbarer vertikaler Spalt zwischen Frontzähnen beim Zusammenbeissen
  • Lispeln, Sprachprobleme
  • Mundatmung tagsüber und nachts

Wann zum Kieferorthopäden?

Der optimale Behandlungszeitpunkt hängt vom Wachstumsstand und der Ausprägung der Fehlstellung ab.

WachstumsphaseSinnvoll?Methode
Frühbehandlung (5–9 Jahre)✅ IDEAL (mit Gewohnheits-Stopp!)Bionator, Aktivator, Mundvorhofplatte
Hauptbehandlung (9–14 Jahre)Feste Zahnspange
Erwachsene⚠️ Bei skelettaler Ausprägung kieferchirurgischKombinierte KFO-Chirurgie

Mehr zur Zahnspange für Kinder oder zur Zahnspange für Erwachsene.

Behandlungsmöglichkeiten bei Offener Biss

Die Methodenwahl richtet sich nach Alter, Ausprägung und individuellen Präferenzen. Übersicht der relevanten Optionen:

Beendigung der Lutschgewohnheit

Voraussetzung jeder Therapie. Bei Kindern unterstützen Mundvorhofplatten oder Zungengitter – manchmal ergänzt durch logopädische Begleitung.

Frühbehandlung mit Funktionsapparatur

Bionator oder Aktivator unterstützen das normale Wachstum und ermöglichen den Bissschluss.

Aligner (z. B. Invisalign)

Transparente, herausnehmbare Schienen für leichte bis mittelschwere Korrekturen – besonders bei Jugendlichen und Erwachsenen.

Feste Zahnspange (Brackets)

Goldstandard für komplexere Korrekturen – mit hoher Präzision und vorhersehbarem Ergebnis.

Passende Apparatur: Bionator

Funktions-KFO-Apparatur bei offenem Biss im Wachstum.

Mehr zur Bionator

Behandlungsdauer und Kosten

Die Behandlungsdauer bei Offener Biss liegt typischerweise zwischen 12 und 30 Monaten – abhängig von Methode, Alter und Schweregrad. Die Kosten variieren je nach Komplexität und gewählter Apparatur. Bei Kindern mit anerkannten Geburtsgebrechen (GgV 209, 210) übernimmt die IV die Kosten vollständig.

Verwandte Zahnfehlstellungen

Diese Fehlstellungen treten häufig in Kombination oder Abgrenzung zum Offener Biss auf:

Beratung in Erstfeld bei Dr. Meyer

In unserer Praxis in Erstfeld berät Sie Dr. Philipp Meyer, Fachzahnarzt für Kieferorthopädie, persönlich zu allen Aspekten von Offener Biss. Die Praxis liegt direkt am Bahnhof Erstfeld und ist mit der S-Bahn aus Altdorf in 8 Minuten, mit der MGB-Bahn aus Andermatt in 30 Minuten und mit dem Auto über die A2 sehr gut erreichbar.

Dr. Meyer ist Autor des Fachartikels Apertognathie (DocCheck Flexikon) im DocCheck Flexikon – dem grössten medizinischen Fachlexikon im deutschsprachigen Raum.

Häufige Fragen zum Offener Biss

Wodurch entsteht ein offener Biss?

Häufigste Ursachen sind Daumen- oder Schnullerlutschen über das 4. Lebensjahr hinaus, persistierende Mundatmung (z. B. bei vergrösserten Rachenmandeln) und falsche Zungenposition (Zungenpressen).

Welche Rolle spielt der Schnuller?

Bis zum vollendeten 3. Lebensjahr ist Schnullern unproblematisch. Wird darüber hinaus weitergelutscht, kann ein offener Biss entstehen. Wir empfehlen das Abgewöhnen bis spätestens zum 4. Geburtstag.

Kann ein offener Biss von selbst weggehen?

Bei rechtzeitiger Beendigung der Lutschgewohnheit kann sich ein milder offener Biss im Wechselgebiss spontan schliessen. Bei ausgeprägter oder skelettaler Form ist eine kieferorthopädische Behandlung notwendig.

Wie wird er bei Kindern behandelt?

Mit Mundvorhofplatte oder Zungengitter zur Gewöhnungs-Beendigung, kombiniert mit Funktionsapparaturen (Bionator, Aktivator). Häufig ergänzt durch logopädische Therapie.

Ist bei Erwachsenen mit ausgeprägtem offenen Biss eine OP nötig?

Bei stark ausgeprägter skelettaler Apertognathie ist eine kombinierte kieferorthopädisch-kieferchirurgische Behandlung oft die einzige stabile Lösung.