Überbiss – Definition, Ursachen, Folgen und Behandlung

Ein Überbiss (fachsprachlich Distalbiss oder Angle-Klasse II) ist eine der häufigsten Bissfehlstellungen. In unserer Praxis in Erstfeld berät Sie Dr. Philipp Meyer, Fachzahnarzt für Kieferorthopädie und Autor des Fachartikels „Distalbisslage” im DocCheck Flexikon, zu allen Behandlungsoptionen – von Funktionskieferorthopädie im Wachstum bis zur Aligner-Therapie im Erwachsenenalter.

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Was ist ein Überbiss?

Ein Überbiss (fachsprachlich Distalbiss oder Angle-Klasse II) ist eine Bissfehlstellung, bei der die oberen Frontzähne deutlich vor den unteren stehen. Charakteristisch ist ein vergrösserter horizontaler Abstand zwischen Ober- und Unterkiefer-Frontzähnen (Overjet). Häufige Ursachen sind ein zurückliegender Unterkiefer, vorstehende Oberkieferfrontzähne oder eine Kombination beider. Behandlungsmöglichkeiten reichen je nach Alter von Wachstumssteuerung mit Funktionsapparaturen bis zu Aligner- oder festen Zahnspangen.

Hinweis: Überbiss ≠ Tiefbiss. Überbiss bezeichnet den horizontalen Vorstand der oberen Frontzähne (Overjet), Tiefbiss die vertikale Überdeckung. Beide werden in der Patientensprache oft unter „Überbiss” zusammengefasst, sind aber unterschiedliche Fehlstellungen.

Synonyme und verwandte Begriffe: Distalbiss, Angle-Klasse II, Overjet, Vorstehende Frontzähne.

Wie entsteht ein Überbiss?

Die Ursachen sind meist multifaktoriell – genetische Faktoren spielen eine zentrale Rolle, oft kombiniert mit erworbenen Faktoren wie Lutschgewohnheiten, Mundatmung oder dem Verlauf des Zahnwechsels.

  • Zurückliegender Unterkiefer (Retrognathie)
  • Vorstehende Oberkieferfrontzähne
  • Genetische Faktoren
  • Lutschgewohnheiten und falsche Zungenposition

Welche Folgen hat ein unbehandelter Überbiss?

Ob und wann eine Behandlung notwendig ist, entscheidet die fachärztliche Beurteilung im Einzelfall. Mögliche Folgen einer unbehandelten Fehlstellung können sein:

  • Erhöhtes Unfallrisiko der Frontzähne
  • Ästhetische Belastung und Selbstbewusstseinsprobleme
  • Funktionelle Beeinträchtigung von Kauen und Sprechen
  • Kiefergelenksbeschwerden bei ausgeprägten Fällen

Typische Symptome und Anzeichen

  • Deutlich vorstehende obere Schneidezähne
  • Vergrösserter Overjet (>4 mm)
  • Eingeschränkter Lippenschluss

Wann zum Kieferorthopäden?

Der optimale Behandlungszeitpunkt hängt vom Wachstumsstand und der Ausprägung der Fehlstellung ab.

WachstumsphaseSinnvoll?Methode
Frühbehandlung (5–9 Jahre)⚠️ Bedingt (bei Unfallrisiko)Headgear, Aktivator
Hauptbehandlung (9–14 Jahre)✅ IDEALFunktions-KFO + feste Zahnspange
ErwachseneAligner, feste Zahnspange, Lingualtechnik (ggf. kombiniert mit Kieferchirurgie)

Mehr zur Zahnspange für Kinder oder zur Zahnspange für Erwachsene.

Behandlungsmöglichkeiten bei Überbiss

Die Methodenwahl richtet sich nach Alter, Ausprägung und individuellen Präferenzen. Übersicht der relevanten Optionen:

Frühbehandlung mit Funktionsapparaturen

Bei stark vorstehenden Frontzähnen reduziert eine frühe Behandlung das Unfallrisiko. Möglich sind Headgear, Aktivator oder Bionator.

Aligner (z. B. Invisalign)

Transparente, herausnehmbare Schienen für leichte bis mittelschwere Korrekturen – besonders bei Jugendlichen und Erwachsenen.

Feste Zahnspange (Brackets)

Goldstandard für komplexere Korrekturen – mit hoher Präzision und vorhersehbarem Ergebnis.

Lingualtechnik für Erwachsene

Innenliegende Brackets ermöglichen eine vollständig unsichtbare Korrektur – ideal für ästhetisch anspruchsvolle Erwachsene.

Passende Apparatur: Herbstscharnier

Festsitzende Funktionsapparatur zur Korrektur des Überbisses bei Jugendlichen im Wachstum.

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Behandlungsdauer und Kosten

Die Behandlungsdauer bei Überbiss liegt typischerweise zwischen 12 und 30 Monaten – abhängig von Methode, Alter und Schweregrad. Die Kosten variieren je nach Komplexität und gewählter Apparatur. Bei Kindern mit anerkannten Geburtsgebrechen (GgV 209, 210) übernimmt die IV die Kosten vollständig.

Verwandte Zahnfehlstellungen

Diese Fehlstellungen treten häufig in Kombination oder Abgrenzung zum Überbiss auf:

Beratung in Erstfeld bei Dr. Meyer

In unserer Praxis in Erstfeld berät Sie Dr. Philipp Meyer, Fachzahnarzt für Kieferorthopädie, persönlich zu allen Aspekten von Überbiss. Die Praxis liegt direkt am Bahnhof Erstfeld und ist mit der S-Bahn aus Altdorf in 8 Minuten, mit der MGB-Bahn aus Andermatt in 30 Minuten und mit dem Auto über die A2 sehr gut erreichbar.

Dr. Meyer ist Autor des Fachartikels Distalbisslage (DocCheck Flexikon) im DocCheck Flexikon – dem grössten medizinischen Fachlexikon im deutschsprachigen Raum.

Häufige Fragen zum Überbiss

Was ist der Unterschied zwischen Überbiss und Tiefbiss?

Überbiss meint den horizontalen Vorstand der oberen Frontzähne (Overjet). Tiefbiss meint die vertikale Überdeckung der unteren Frontzähne durch die oberen. Beides sind unterschiedliche Fehlstellungen, die häufig auch kombiniert auftreten.

Ab welchem Alter wird ein Überbiss behandelt?

Eine Frühbehandlung ist bei stark vorstehenden Frontzähnen (Unfallrisiko) sinnvoll. Die ideale Hauptbehandlung erfolgt in der Wechselgebiss-Phase zwischen 9 und 14 Jahren mit Funktionsapparatur und fester Zahnspange.

Was passiert, wenn ein Überbiss nicht behandelt wird?

Vorstehende Frontzähne haben ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko (Zahntrauma bei Stürzen oder Sport). Funktionell kommt es oft zu eingeschränktem Lippenschluss, ästhetisch zu Beeinträchtigung des Selbstbewusstseins.

Kann ein Überbiss bei Erwachsenen mit Aligner behandelt werden?

Ja, leichte bis mittelschwere Überbisse lassen sich gut mit Aligner-Therapie korrigieren. Bei stark ausgeprägten skelettalen Fällen ist oft eine kombinierte kieferorthopädisch-kieferchirurgische Behandlung erforderlich.

Ist eine Kieferchirurgie nötig?

Nur bei stark ausgeprägten skelettalen Überbissen (>10 mm Overjet, ausgeprägt zurückliegender Unterkiefer) ist eine kieferchirurgische Korrektur sinnvoll.

Was kostet die Überbiss-Behandlung in der Schweiz?

Je nach Methode und Komplexität häufig zwischen CHF 5'000 und 12'000. Genaue Information siehe Zahnspange Kosten Schweiz.